Interview mit SG-Trainer Martin Schwarzwald

Die Handballer der SG Zweibrücken bereiten sich derzeit auf die Rückrunde der Regionalliga Südwest vor. Der Vorjahressiebte möchte auch im neuen Jahr an die überragende Hinrunde anknüpfen und da weitermachen, wo er aufgehört hat. Mit 23:3 Punkten stehen sie verdientermaßen auf dem zweiten Platz, einen Punkt hinter dem Spitzenreiter HV Vallendar. Damit war vor der Saison kaum zu rechnen. Doch SG-Trainer Martin Schwarzwald hat seine Mannschaft schnell auf die richtige Spur geführt, und die Spieler haben es ihm mit überragenden Leistungen gedankt. Im Laufe der Runde hat sich die Situation im Hinblick auf den Kader durch einige, teilweise schwerwiegende Ausfälle immer weiter verschlechtert. Auf dem Feld war davon jedoch eher weniger zu merken, denn die Zweibrücker fanden auf jede noch so schwere Herausforderung die passende Antwort. Mit nur noch fünf Heimspielen wird es in der Rückrunde aber nicht einfach, den Erfolg zu wiederholen.

Unter der Woche nahm sich Coach Martin Schwarzwald etwas Zeit, um seine persönliche Einschätzung zur bisherigen Runde zu geben und einen Ausblick in die Zukunft zu wagen.

Hast du dir einen so guten Start erträumt?

Erträumt? Ja, denn träumen darf man. Ich habe zwar schon an das Potenzial der Mannschaft geglaubt, aber es wäre vermessen gewesen, von einem solchen (Fast-)Traumergebnis zum Ende der Hinrunde auszugehen. Dafür ist die Liga einfach zu ausgeglichen. Bei uns ist jedoch viel Gutes zusammengekommen und wir das Momentum.

Was hast du alles geändert? Die Mannschaft ist ja weitestgehend die gleiche wie letzte Saison.

Offensiv habe ich so ziemlich alles über den Haufen geworfen. Nicht, weil das vorherige System schlecht war, sondern weil ich der Meinung bin, dass eine Kopie nie besser ist als das Original. Es fühlte sich einfach richtig an, jetzt umfassende Veränderungen anzustoßen. Dass es so gut greift, freut mich, aber wir stehen noch ganz am Anfang unserer taktischen Entwicklung.

Wie arbeitest du? Was ist deine Philosophie?

In erster Linie versuche ich, sehr verbindlich zu sein, und kommuniziere dabei offen und klar. Das ist für mich die absolute Basis und viel wichtiger als irgendeine Spielidee oder Abwehrformation. Was meine Handballphilosophie angeht, so ist diese klar auf einfachen Vorteil und hohe Effizienz ausgelegt. Liegt zum Beispiel ein Gegner nach einem aufwendigen Zweikampf am Boden, ergibt sich dadurch vielleicht ein einfaches 6 gegen 5. In diesem Fall greifen wir möglichst schnell an. Was die Effizienz angeht, versuchen wir, Würfe außerhalb des Neunmeters weitestgehend zu vermeiden und so oft wie möglich mit einem zentralen Durchbruch auszulösen. Durch einen klaren Fahrplan und einfache Regeln konnten wir unsere Fehleranzahl drastisch reduzieren und unsere Abschlusseffektivität gegenüber der letzten Saison um mehr als 15 % steigern.

Abwehr ist für mich hauptsächlich eine Sache der Einstellung und des Matchplans, viel weniger des Systems. Man muss wissen, was der Gegner möchte, und das dann mit Leidenschaft zerstören. Meiner Meinung nach braucht es nicht viel mehr – abgesehen von einer guten Torhüterleistung.

Wo siehst du die Stärken deiner Mannschaft?

Die Mannschaft verfügt über eine hervorragende emotionale Basis und hat auch schon vor meiner Ankunft aufopferungsvoll gekämpft. Das erleichtert mir die Konzentration auf die wesentlichen Dinge ungemein, da ich nicht viel Zeit in die Motivation oder emotionale Aktivierung meiner Spieler investieren muss. Darüber hinaus sind sie sehr wissbegierig und haben sich voll und ganz auf unseren gemeinsamen Weg eingelassen.

Woran gilt es noch zu arbeiten?

Es gibt noch einiges zu tun. Wie eingangs erwähnt, stehen wir noch ganz am Anfang unserer Reise und erzielen bereits bessere Ergebnisse als erwartet. Wir wollen noch schneller spielen und gleichzeitig noch fester in unserem Spiel werden. Mir ist es wichtig, dass wir immer wissen, „wer wir sind“. Was zeichnet uns aus und wo wollen wir hin – das muss jederzeit allen klar sein.

Was erhoffst du dir von der Rückrunde bzw. mit welchem Wunsch gehst du in das neue Jahr?

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre es, dass wir von Ausfällen weitestgehend verschont bleiben und unseren Lauf so lange wie möglich aufrechterhalten können. Das wird durch die Ausfälle und die nur noch fünf verbleibenden Heimspiele natürlich extrem schwer, aber ich träume von einer ausverkauften Westpfalzhalle am vorletzten Spieltag gegen den HV Vallendar.

Wer sind für dich die Überraschungen innerhalb des Teams?

Für mich ist die Geschlossenheit der Gruppe das wichtigste Gut. Dafür muss ich keinen einzelnen Spieler hervorheben – das dürfen andere übernehmen.

Wie leicht ist es dir gefallen deinen Vertrag vorzeitig zu verlängern? Was hat dich dazu bewogen?

Sehr leicht. Vor allem nach der Niederlage in Vallendar. Sie hat uns die Chance gegeben, kurz rauszuzoomen, einen Moment zu entschleunigen und zu bewerten, welchen Weg wir in der kurzen Zeit gegangen sind. Trotz der Enttäuschung konnten wir schnell feststellen, dass wir auf einem sehr guten Weg sind und vielleicht sogar einige Meter vor der vermeintlichen Zeitspur liegen. Daher war mir klar, dass ich gerne vor der Winterpause noch ein positives Signal setzen möchte. Dass ich mich damit sehr wohlfühle, ist ein Verdienst aller Beteiligten. Sei es die Mannschaft, mein Staff, unsere Führung, unser Helferteam und natürlich auch unsere Fans.

Du bist angetreten mit dem Wunsch mehr Zuschauer in die Westpfalzhalle zu locken. Wie zufrieden bist du damit bislang? Die Unterstützung dürfte mehr oder weniger fast einzigartig sein in der Liga.

Ich glaube, wir sind auf einem sehr guten Weg, die Fans weiterhin für den Handball zu begeistern. Rein von den Zahlen her sind wir auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ende. Warum sollten wir nicht das Potenzial haben, am Samstagabend um 18 Uhr in einer Stadt wie Zweibrücken regelmäßig vor über 1.000 Zuschauern zu spielen? Wenn wir unsere Spiele zu einem Event machen, dann bin ich überzeugt, dass wir das mittelfristig erreichen können.

Was war dein persönliches Highlightspiel der Hinrunde?

Mein persönliches Highlight war die Vorbereitung. Die Jungs haben von Tag eins an Vollgas gegeben und wir konnten früh viele Meilensteine und Erfahrungen sammeln. Unser Trainingslager in Holland war sicher einmalig und hat uns als Gruppe noch enger zusammengeschweißt.

Wie sieht es mit dem Kader aus? Ihr habt einige längerfristige Ausfälle? Gibt es Rückkehrer? Wie wollt ihr die Ausfälle im Training wie im Spiel auffangen?

Was den Kader betrifft, ist es ein Ritt auf der Rasierklinge. Die Ausfälle von Tom Grieser, Matteo Weber und Tim Eisel sowie der vorzeitige Abgang von Fabian Abel wiegen schwer. Matteo wird in den nächsten Wochen sicher zurückkommen und auch bei Tom Grieser gibt es Grund zur Hoffnung. Bei Tim sieht es hingegen nicht so gut aus. Hinzu kommt, dass wir mit Max Kroner, Tom Ihl und Joshua Eberhard drei Stammspieler der vergangenen Saison ersetzen mussten. Trotzdem machen wir es überragend und trotzen allen Widrigkeiten. Das wollen wir auch weiterhin so handhaben und wöchentlich daran arbeiten, dass ein Spieler in die Bresche springen kann, mit dem so vielleicht eher wenige gerechnet haben. Das wird mit sinkender Breite natürlich immer schwieriger, aber träumen darf man ja …

Bevor es für die SG-Handballer am 25.01.2026 mit dem Auswärtsspiel beim HC St. Ingbert-Hassel weitergeht, sind sie bereits am Samstag gefordert. Sie nehmen am Pokal-Halbfinalturnier in Riegelsberg teil und treffen dort auf die DJK Marpingen, die HF Köllertal und den TV Niederwürzbach. „Es kommt uns natürlich entgegen, dass die Regionalligisten für die Halbfinalturniere gesetzt sind. Wir nehmen das ernst, weil es auch eine willkommene Vorbereitung auf die Rückrunde ist, aber eben unter den aktuellen Kadervoraussetzungen. Ähnlich wie gegen Saulheim werden wir viel mit unseren A-Jugendlichen spielen, wobei Lukas Kondziela und Louis Ringle nicht zur Verfügung stehen, weil sie im Pokal bereits für die zweite Herrenmannschaft aktiv waren”, sagt Martin Schwarzwald, für den die Genesung seiner Spieler und der Rückrundenauftakt Priorität haben.

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